Auf der Jagd nach dem goldenen Bliki
Mai 4th, 2006Durch die Beschäftigung mit Blogs und Wikis und meinen Überlegungen, inwieweit man diese beiden Systeme für Lernprozesse in der Schule oder im außerschulischen (Internet-) Bereich einsetzen kann, bin ich irgendwann auf die Frage gestoßen, was denn diese Blikis sind oder sein könnten, von denen ich immer mal etwas gehört habe. Für mich hörte sich diese Frage fast immer etwas geheimnisvoll an oder war verbunden mit der Vorstellung, dass dort ein ungeahntes Potential zu finden sei. Daher habe ich meine eigene Internet-Recherche „die Jagd nach dem goldenen Bliki“ genannt, so wie man nach dem goldenen Topf am Ende des Regenbogens oder nach dem goldenen Schlüssel sucht.
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In den Wikipedia-Einträgen zum Bliki findet man zwar etwas, aber die Einträge sind zwischen der englischen und der deutschen Version sehr unterschiedlich, auch unterschiedlich umfangreich. Aber erst durch das Durchforsten verschiedener Blogeinträge konnte ich mir langsam ein Bild von dem Definitionsversuch, bzw. -prozess machen:
Erst einmal stolpert man die ganze Zeit über die verschiedenen Wortspiele von dieser Verbindung von We(Blog) und Wiki. Bliki ist das am meisten verwendete, weiters WikiLog, WikiWeblog, Wikiblog, Bloki, aber auch folgende Namenserfindungen entdeckt man: Blicki, Chikis, Wiblog, Wog, WebNotes…
David M. Johnson erwähnt am 06.09.02 Blogs, Wikis und Blikis und wer sich schon damit befasst hat. Hierbei ist interessant, dass anscheinend Bill Seitz schon 1999 darüber nachgedacht hatte: “..another approach would be to make a separate Wiki node for each nugget, and the WebLog would really be the RecentChanges page…“
Martin Fowler, der, wenn es um Blikis geht, am meisten genannt wird, schreibt am 26.05.03 in seinem eigenen Bliki über „WhatIsaBliki“: Als einen Nachteil von Blogs nennt er, dass die Beiträge so schnell „altern“, als einen Vorteil, dass die Änderungen immer schnell zu sehen sind. Der Vorteil von Wikis sei: „I like the way they allow you to quickly put stuff together“. Daher habe er sich zu einer Kombination entschieden: „Like a blog, it allows me to post short thoughts when I have them. Like a wiki it will build up a body of cross-linked pieces that I hope will still be interesting in a year’s time.“ Ein Vorteil dieser Art, ein Wiki zu integrieren sei es auch, dass man schon kleine sich formende Gedanken, die zu kurz sind, um sie in einen eigenständigen Blogbeitrag zu schreiben, unterbringen könne. Für den Begriff verantwortlich zeichnet er Ward Cunningham, nennt aber keine Quelle.
2004 scheint eine Menge über diese “the marriage of wiki and weblog“ (Siehe Verweis auf Zitat von Mockerybird) diskutiert worden zu sein.
Kleiner Hinweis, da ich nicht alles „unter einen (gedanklichen) Hut bekomme“: Hier noch für 2003 und hier sind für 2004 eine Menge Links zur Diskussion zu finden. Amy Gahran nennt als Beispiel eines Blikis wiremine.org von Brian Tol. Unter folgenden Links findet man auch noch mehr zu Blikis: Hier und unter folgendem Link.
Am 09.06.2004 schreibt Krzysztof Kowalczyk, dass jedes Blog ein integriertes Wiki haben sollte.
Er beschreibt Wikis als nützliche Werkzeuge für das eigene „Personal Knowledge Management“ und die Möglichkeit, die Struktur des Wikis zu nutzen, um vernetzt Wissen zu speichern – ähnlich wie wir Wissen in unserem Gehirn speichern. Man finde das Wissen wieder, wenn man es benötige und könne auch andere davon profitieren lassen. Editieren und Kommentieren könne man erlauben.
Blogs hingegen seien nicht geeignet, Wissen zu speichern. Blogs seien einerseits sehr persönlich, andererseits an andere Leute gerichtet. Man schreibe kein Blog, um selber Wissen für sich zu speichern und oder Wissen zu managen, das man vielleicht in der Zukunft brauchen könnte, sondern für andere, die etwas darüber lernen.
In Wikis schreibe man für sich selber, in Blogs für andere. Daher finde er es praktisch, wenn es ein Plugin für Wordpress gebe.
Mein Kommentar: Das hat sich ja mittlerweile (2006) ergeben. Er schreibt ja nicht explizit über die Besonderheit des Blikis, aber meint wohl, dass es praktisch sei, die Möglichkeiten des Wissensmanagement im System des persönlichen Blogs zu integrieren. Zu der Zeit war das Wiki-System anscheinend noch zu sperrig und zu wenig flexibel, auch in seinem Design, dass er nach einer „Wiki-im-Blog-Lösung“ sucht. Schließlich benennt er die Vorteile des Blogs nicht, sondern setzt sie anscheinend voraus.
Auf www.museworld.com formuliert der Autor (Curt) am 22.06.04 konkretere Vorstellungen, was die besondere Form eines Blikis angeht:
Blogs hätten ihn immer etwas frustriert, weil die Form zu sehr einschränke. Er selber sehe die beiden Systeme Blogs und Wikis als vergleichbar an, da sie beide Textsammlungen über etwas seien und beide, je nachdem wie man sie haben will, editierbar, kommentierbar, etc.. oder in einer chronologischen Reihenfolge anzuzeigen seien.
Für ein Bliki wünscht er sich, dass Blogeinträge auch eine „Revision History“ haben, denn schließlich arbeite man lange an einem Artikel und überarbeite den auch vielleicht mehrmals. Außerdem könnten die Kommentare sinnvoller plaziert (also Kommentare auch bei Wikieinträgen und anders herum) sein, so dass, wenn ich ihn richtig verstanden habe, diese auch in anderen Wissenskontexten Sinn machen würden.
Man müsse WikiWörter haben, die im Wiki und im Blog (nach chronologischer Ordnung) auftauchen. Ich glaube, es geht ihm auch darum, wie die Links untereinander verknüpft sind. (Bundling Nodes). Also Links zu anderen Wiki-Einträgen und Links zu anderen Beiträgen im Blog. (Kommentar: Diese sollten vielleicht unterschiedlich gekennzeichnet sein?)
Und er beschreibt, dass es einen Wiki-View und einen Blog-View geben müsse/könne. (Kommentar: Habe ich in den meisten als Beispiel genannten Blikis nie richtig gut unterscheiden können, nur durch eine Art „Reiter“ oben.)
Welchen Punkt ich sehr interessant finde und bei den andere Autoren nicht gefunden habe, ist, dass er zwei alternative Möglichkeiten fordere: die Entscheidung etwas zum Editieren freizugeben oder zu „schließen“ .
Als Fazit schreibt er unter anderem, dass die Blogs durch die Einbeziehung der vorgeschlagenen Ideen lebendigere Dokumente (vergleichbar Wikis) werden können.
Wie ein Blog auch aussehen kann, zeigt Tim Bray auf seiner Seite. Er zeigt die Einträge nicht chronologisch an. (Kommentar: Ist dort/das ein Wiki?) Am 05.11.04 schreibt er über Blogs und Wikis:
“Wiki: A wiki is a collaborative construction engine, with refactoring and edit-in-place being the dominant forms of activity, and many equal voices singing in a chorus.
Blog: A blog is more like a content faucet, a source with one voice, always growing at one end; while updates to existing content are OK, the dominant activity is pouring new text and pictures and whatever in.”
Ein Artikel von James Tauber am 08.02.2005 befasst sich auch intensiver mit dem Thema: James Tauber bezieht sich auf einen Artikel von Tim Bray, der meinte, dass Blogs und Wikis völlig verschiedene Systeme sind. Tauber meint auch, dass jedes in seiner typischen Form sehr verschieden zum anderen ist. Aber er zeigt vier Charakteristika der Wikis auf und stellt dann jedes in Bezug auf beide Systeme:
1. Man arbeitet gemeinsam an etwas (collaboration)
2. Bearbeitung im Browser
3. Leicht zu lernen und „non-intrusive markup“
4. WikiWords
Es komme darauf an, inwieweit man diese verschiedenen Charakteristika mit den Blog-Eigenschaften mische.
Bei Wikipedia sei der Punkt 1 (collaboration) am wichtigsten. Hingegen biete das Bliki von Martin Fowler eben diesen Punkt 1 nicht. Es sei hingegen besonders geprägt von dem Punkt 4, der Wikiwords, also der Verküpfung zwischen den Wiki- und den Blogeinträgen. (Kommentar: Das ist doch damit gemeint?) Taubers eigene Seite beinhalte Punkt 2, 3 und ein bisschen Punkt 4. Wenn also ein Blog ein „Im-Browser-Arbeiten“ zulasse, sei es schon Wiki-ähnlich. (Kommentar: Aber Kommentare schreiben im Blog ist auch „im-Browser“, oder?)
Er meint, dass sich Blogs und Wikis in dem Punkt ähneln, wenn Punkt 2 und Punkt 3 erfüllt sind. Der Punkt 1 sei der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Systemen.
Eine weitere Gemeinsamkeit sei noch, dass beide Systeme soziale Systeme sind, aber auf unterschiedliche Art und Weise. Blogs sind Unterhaltungen (kollektive) und in Wikis findet Zusammenarbeit (collaboration) Teamwork statt.
Im englischen Wikipedia wird davon gesprochen, dass auch andere als der eigentliche Autor etwas am Blogeintrag ändern könne, bevor es hochgeladen werde. Davon habe ich allerdings nichts gelesen oder gefunden. Möglich ist es sicherlich. Macht aber für mich keinen Sinn. Hier wird dagegen angeführt, dass es die Qualität der Artikel steigere.
Als Vorteil wird auch im Wikipedia-Eintrag genannt, dass der Inhalt eines Beitrages bei einem Bliki nicht in Vergessenheit geraten könne.
Der deutsche Artikel über Blikis bei Wikipedia ist sehr knapp, zeigt aber wahrscheinlich schon eher, worum es im Wesentlichen/im häufigsten Fall geht: um die Wikinamen, die vom Blog zum Wiki verweisen.
Weitere Beispiele von Blikis, Blogs mit eingebauter Wikistruktur, bzw. Wiki-basierte Blogs:
Eine aktuelle (anfänglich geführte) Diskussion/Gedankenaustausch zum Thema Blikis (Seit Januar 2006) wird von der Gruppe „Bliki“ der ePedagogyDesign-Studenten der Universitäten in Helsinki, Hamburg und Rotterdam auf deren Blog geführt.
Folgende Fragen wurden in den virtuellen Raum gestellt:
Mit welcher Absicht/Zu welchem Zweck muss/will man ein Bliki haben? Szenario? Was sind die wichtigen Funktionsweisen eines Blikis? Was wäre ein interessante Nutzung eines Blikis?
Jeder soll sein „ideales“ Bliki vorstellen, bisher gibt es eine veröffentlichte Version eines idealen Blikis von Ralf. Ich will einmal versuchen zu verstehen und knapp zu formulieren, was er hier, ursprünglich in englisch, vorgeschlagen hat:
Er schreibt zuerst, dass es wichtig ist sich klar zu machen, in welchem Zusammenhang ein Bliki verwendet wird und er nennt vier Punkte, die sein Wiki ausmachen würden:
1. Es geht darum Wissen und Information zu teilen/zu kommunizieren. Jedem Schreiber müsse eine eigene Identität zugesprochen werden.
2. Ralf meint, dass jeder Benutzer sein Wissen hochladen können muss, aber es gibt sozusagen eine vorgelagerte Diskussion, bevor es veröffentlicht wird.
3. Technisch sollte es über dieselben Möglichkeiten wie ein Blog verfügen. Man sollte gut zwischen den Ebenenen hin und her wechseln können und nur ein Login benötigen.
4. Die Daten könnten nach Relevanz angezeigt werden. (Kommentar: Das bedeutet wahrscheinlich, dass Themen/Stichworte, die besonders oft vorkommen, wie in einer tag-Wolke angezeigt und deutlich gemacht werden.)
Kleine Extra-Links:
Hier scheint eine Studentengruppe in Österreich an einem Projekt Bliki zu arbeiten, man könnte ja mal nachfragen, aus dem Blog werde ich nicht ganz schlau.
Hier hat jemand eine Website, der Jan Bliki heißt.
Fazit
Das waren so meine Suchergebnisse. Eine bestimmte Formulierung habe ich nicht wiedergefunden, aber es hat jemand geschrieben, dass ein Bliki nur ein Wiki im Schafspelz eines Blogs ist. Oder war es andersherum?
Was kann ich zusammenfassen? Im Großen und Ganzen scheint die Diskussion unter den Entwicklern oder Bloggern nicht mehr geführt zu werden, da es mittlerweile Wiki-Plugins gibt und ganze Systeme, wo schon beides integriert wurde. Eigentlich wird aber immer von einem Blog gesprochen, in dem dann das Wiki integriert ist, nicht andersherum. (Wer ist jetzt der Wolf?) Außerdem fand ich die Blikis, die als Beispiel genannt wurden, immer sehr unübersichtlich, aber ich habe sie inhaltlich auch nicht verstanden. Dennoch hatte ich nicht den Eindruck, dass ich an ihnen etwas ändern kann und der Punkt 1 nach Tauber erfüllt ist? Vielleicht finde ich ein solches Bliki ja noch? Es schienen immer eher persönliche Blikis zu sein, in dem ein einzelner Mensch sein Wissen speichert.
Was wäre denn nun m/ein „ideales“ Bliki? M/ein „goldenes Bliki“? Ich glaube, dass es das nicht geben kann, denn es wird immer eine Mischung aus beiden Systemen bleiben, die jedes für sich gesehen (siehe Tauber), eine andere Struktur hat. Und darin liegt auch meiner Ansicht nach die Stärke der Blikis. Je nachdem, für was man sie verwenden will, haben sie von dem einen oder dem anderen einen größeren Anteil.
Aber ich habe eine Idee für ein Bliki für einen ganz bestimmten Zweck. Ich denke dabei eher an ein Wiki, das Blogelemente inne hat. (Endlich mal anders herum) Ich werde das in meiner weiteren Projektbeschreibung präziser entwickeln, aber damit der Leser, der es so weit geschafft hat, und neugierig ist, was ich meine, nicht enttäuscht ist, werde ich es kurz skizzieren:
1. Es soll eine Art Lexikon werden, an dem Kinder und Jugendliche zu einem Themengebiet arbeiten oder sich informieren können, ähnlich wie bei Wikipedia.
2. Alles (Auch Kommentare siehe 4) ist mithilfe von Wikiwörtern und Links untereinander verknüpft.
3. Jede einzelne Seite wäre mehrgeteilt: Es könnte einen festen Teil geben, der vom Betreiber (Administrator) der Seite hineingeschrieben wird (nicht editierbar), einen Teil, an dem gemeinsam gearbeitet werden kann (und keine Autorenschaft sichtbar wird) und einen Teil, an dem die Kinder und Jugendlichen eigene Beiträge als Ergänzung schreiben können, die von niemandem geändert werden können und eben auch persönlich gekennzeichnet sind (Autorenschaft). Dieser Aspekt ist sehr wichtig, weil ich denke, dass es die Motivation zu schreiben erhöht und man seinen persönlichen Beitrag zum Wissenfundus geben kann.
4. Jeder dieser Teile müsste wie ein Blogeintrag kommentiert werden können.
5. Jeden Beitrag, den man schreibt, kann man einer Kategorie oder bestimmten Stichworten (wie bei http://del.icio.us) zuordnen. Auch finde ich Ralfs Idee der Relevanz (wenn ich ihn überhaupt richtig verstanden habe) gut.
6. Es gibt einen Administrator wie bei einem Blog. Kommentare und Beiträge müssen freigeschaltet werden oder man muss angemeldet sein.
7. Vielleicht könnte man einen Bereich haben, in dem sich die Autoren, wenn sie wollen, vorstellen. Das wären dann sozusagen Seiten, so wie die festen „Seiten“/“Pages“ bei Blogs.
Das wären jedenfalls meine ersten Ideen. Ist das denn nun ein Bliki oder ist das eher ein Wiki? Es würde meiner Ansicht nach einen persönlichen und einen kollektiven Ansatz vereinen.
Mai 5th, 2006 at 16:14
[…] Today the German weblog Examensblog published what appears to be an excellent overview of the current state of the quest to develop a superior bliki tool. […]
Mai 5th, 2006 at 16:19
I’m so glad to see that someone has taken a close, current look at the topic of blikis. I wish that I read German, since a quick Babelfish automated translation indicates to me that I would very much like to read this article.
I apologize for my language limitations. However, I might as well ask: Do you think it would be possible to translate this article into English?
I’ve also asked the readers of my weblog Contentious.com if they could provide me with a translation as well: http://contentious.com/archives/2006/05/05/hunting-the-elusive-usable-bliki-translation-please
Thanks!
- Amy Gahran
Contentious.com
RightConversation.com
IReporter.org
Editor, Poynter’s E-Media Tidbits group weblog
Mai 5th, 2006 at 20:55
Dear Amy,
I`m honored you want to read my article in English and I tried to translate it yet. But I`m not glad about my bad written English and I noticed that I need a new structure for a translated article. Most of the summary, I translated the thoughts of the posts (discussion about blikis) into my own personal German because they all were written in English. And the other way around without working at the structure would be a little bit curious.
I will work it out but it could last a few days. I`m curious if there will be a new discussion about it in the future and I know the ePedagogyStundents will discuss it in their bliki-Group. I read your own post about blikis (today) and I liked the metaphor you`ve used: the “online chimera”.
I hope you will be patient, I apologize myself having forgotten all my “school english”. I`m really “out of practice”.
Yours Kati Baumgarten from Hamburg
Mai 8th, 2006 at 14:13
Dann gibts noch - frisch aus der oddwiki-bliki-Schmiede - http://www.communitywiki.org/odd/OddWikiCenter/bliki
Guter Artikel. ich habe soeben auf den wikipedias unter “bliki” links auf die oddwiki-bliki-Experimente eingetragen.